Schon einen Monat in Posadas
Ausführlicher Wochenbericht
26.03.-30.03.12
Meine mittlerweile schon vierte Woche in Posadas, im Nordosten Argentiniens, fängt verhältnismäßig ungewöhnlich an. In den ersten Wochen verfluchte ich die Hitze und versuchte, tagsüber nur die wichtigsten Wege draußen zurückzulegen. Dabei war ich froh, wenn ich eine Schattenseite der Straße erwischte und schließlich verschwitzt in einem kühleren Raum mit Klimaanlage oder Ventilator ankam. Die Einheimischen erzählten mir hingegen, ich hätte Glück, es habe schon viel heißere Tage gegeben. Manchmal gab es ein kurzes erfrischendes Sommergewitter, worüber sich immer alle freuen, weil die Temperatur danach etwas sinkt.
Diese Woche vom 26. bis 30. März stehe ich jedoch bei bewölktem Himmel und nicht so heißem Wetter auf. Wolken hatte ich bisher noch nicht sehr viele gesehen, da fast immer die Sonne schien und die Gewitterwolken so schnell wegzogen wie sie plötzlich gekommen waren. Jetzt scheint es mir hingegen geradezu kalt bei um die 20º C und es fängt an zu regnen. Der Regen hört aber nicht wie sonst bald wieder auf, sondern es regnet den ganzen Tag. Nach diesem Regentag bleibt die Woche verhältnismäßig kühl, die Sonne scheint zwar immer, aber nachts benötige ich das erste Mal eine richtige Decke über dem Laken. So beginnt also der Herbst in Posadas, der wahrscheinlich weder regnerisch noch golden wie in Deutschland sein wird.
An meinem ersten Arbeitstag dieser Woche assistiere ich vormittags im Deutschunterricht an der Escuela de Educación Técnica N°1 (EPET). Auf diese öffentliche Schule gehen Schüler von der 8. bis zur 13. Klasse. Im Gegensatz zu anderen Schulen dauert die Ausbildung auf der EPET ein Jahr länger und die Schüler erlangen zusätzliche Kenntnisse, zum Beispiel im Schreinern, Tischlern und Schweißen. Deshalb tragen sie als Schuluniform auch eine Art Blaumann, was im Gegensatz zu den sonstigen Röcken, Hosen und Hemden eine interessante Abwechslung ist. Die heutige Lerngruppe besteht nur aus zwei Schülerinnen, da dieses Jahr leider der Deutschunterricht nur optional ist und Englisch das Pflichtfach ist. Deshalb finde ich es umso bewundernswerter, dass die Schüler an ihrem vollen Schultag Zeit finden, um Deutsch zu lernen. Die Deutschlehrerinnen und ich werden noch versuchen, für das begonnene Schuljahr den Deutschunterricht fester in den Stundenplan zu integrieren.
Am Nachmittag bin ich in meiner anderen Einsatzstelle, dem Instituto Gutenberg. Diese halbprivate Schule beinhaltet jede Klassenstufe ein Mal von der Grundschule bis zur 12. Klasse. Außerdem gibt es einen Kindergarten, in dem die Kinder schon mit deutschen Liedern und Basteln an die deutsche Sprache herangeführt werden.
Ich habe an diesem Tag zunächst die Aufgabe, eine Lehrerin im Deutschunterricht der 11. Klasse zu vertreten. Die Schüler sind neu auf der Schule und hatten deshalb noch nie Deutsch. Wir fangen also bei Null an und ich übe mit ihnen die Sätze „Hallo! Wie geht´s?“ und „Ich heiße ...“, wobei sie sich noch etwas schwer mit der deutschen Aussprache tun. Dann vermittele ich ihnen die Unterschiede zwischen deutschem und spanischem Alphabet sowie dem Buchstabieren. Schließlich verwirre ich sie noch damit, dass es in Deutsch drei und nicht nur zwei Artikel gibt.
Nach dieser Stunde vertrete ich dieselbe Lehrerin im Deutschunterricht der 12. Klasse. Wir sprechen über die deutschen Namen der verschiedenen Feiertage (Ostern, Weihnachten etc.) und die verschiedenen Osterbräuche.
In der letzten Stunde assistiere ich im Deutschunterricht der Fortgeschrittenen der 8. und 9. Klasse, in der noch organisatorische Dinge zum verwendeten Buch und zur vorgesehenen internationalen Deutschprüfung geklärt werden müssen.
Am nächsten Tag bin ich zuerst wieder in der EPET und wiederhole dort mit einem Schüler Deutsch. Nach den langen Ferien erinnert er sich zuerst an wenig, wir merken jedoch, dass er nach und nach die „Deutsch-Schublade“ in seinem Kopf wiederentdeckt. Danach bereite ich den Konversationsunterricht für den Nachmittag vor.
Dieser findet im Instituto Gutenberg statt. Ich halte eine Stunde in der 6. Klasse und danach eine in der 7. Klasse. Das Ziel dieses Unterrichts ist es, die Schüler zu motivieren, mehr Deutsch zu sprechen. Bezüglich des Inhalts bin ich relativ frei, was eine tolle Möglichkeit ist. Ich wiederhole mit den Schülern die Vokabeln für Sportarten und verteile anschließend Karten, auf denen ein Bild einer bestimmten Sportart abgebildet ist. Ein Schüler soll den anderen auf deutsch eine Frage zur jeweiligen Sportart stellen, die der andere beantworten soll (z. B. „Kannst du Fußball spielen?“, „Schwimmst du?“ etc.). Für die Sechstklässler scheint dies noch etwas schwierig zu sein, während es den Siebtklässlern in der darauffolgenden Stunde leichter fällt, die Fragen und Antworten zu formulieren. Trotzdem sind beide Klassen gleich unruhig und lassen sich nur kurz von meinem deutschen Schimpfen beeindrucken.
In den letzten Stunden assistiere ich schließlich im Deutschunterricht der 12. und 11. Klasse, in dem die Schüler Sätze zum Thema Zeitempfinden formulieren sollen. Am Rande wird außerdem noch anlässlich der kommenden Osterwoche darüber gesprochen, was „Frohe Ostern“ heißt.
Am Donnerstag recherchiere ich morgens im Instituto Gutenberg im Internet über die PASCH-Jugendkurse, da ein Schüler der Schule ein Stipendium zu einem dreiwöchigen Kurs in Deutschland bekommen hat. Nun möchten wir, dass er sich schon vorher mit den Schülern aus aller Welt, die den selben Kurs machen werden, vernetzen kann.
Danach bastele ich ein deutsch-spanisches Plakat anlässlich des Festakts, der am morgigen Tag stattfindet. Am 2. April, dem “Día del Veterano y de los Caídos en la Guerra de Malvinas” wird in Argentinien den Veteranen und Gefallenen des Malwinenkriegs 1982 gedacht.
Zudem bin ich noch in der Deutschstunde des Kindergartens dabei, in der die Kinder Bilder ausmalen sollen, die „das Dirndl“ und „die Lederhose“ abbilden (es werden also schon im frühen Kindesalter die wichtigsten deutschen Vokabeln gelernt!).
Am Nachmittag bin ich erneut im Instituto Gutenberg. Ich stelle das Plakat für den nächsten Tag fertig und recherchiere noch etwas über die PASCH-Projekte und -Jugendkurse. Zwischendurch beantworte ich einigen Deutschschülern die Frage, wieviel Taschengeld man als Jugendlicher in Deutschland bekommt.
An meinem letzten Arbeitstag schaue ich zunächst im Instituto Gutenberg bei der 5. Klasse vorbei. Das anfänglich noch etwas ungewohnte Aufstehen der Schüler, wenn ein Lehrer den Klassenraum betritt, läuft nun fast normal ab und ich begrüße sie mit einem „Hallo Kinder!“, worauf sie „Hallo Rrrieke!“ antworten. Danach erstelle ich Vokabelkarten zum Wortfeld „Obst und Gemüse”.
Am Nachmittag bin ich in der EPET und warte auf eine Schülerin, die die B1-Prüfung absolvieren möchte und deshalb besonders gefördert werden soll. Leider kommt sie aber nicht. Also recherchiere ich noch nach einigen Osterhasen-Malvorlagen im Internet für den Unterricht der 1. Klasse der kommenden Woche. Außerdem sollen die Kinder ein deutsches Osterlied lernen, wobei mir sofort “Stups, der kleine Osterhase” einfällt. Also suche ich hierzu den Liedtext und das Lied und als Alternative finde ich noch das etwas leichtere “Osterhäschen, Osterhas'”.
Und so geht meine abwechslungsreiche Arbeitswoche in Posadas zu Ende. Ich bin schon gespannt, wie hier die kommende Osterwoche verbracht wird!
Rieke Veldscholten, Posadas,
Argentinien
ich freue mich über ihre pädagogischen Fähigkeiten. Stellen Sie doch mal deutsche Tiere vor. ZB Meckmeck, MÄÄÄH, quik, Muh usw.
Ich wünsche Ihnen weiter viel Erfolg bei der Verbreitung unserer Sprache.
Viele Grüße aus Old Germany
Ich wünsche dir und deiner Lehrerin gaaanz viel Spaß beim Singen mit dem Lied von Rolf Zuckowsky und beim Lied aus meiner Heimat "Osterhäschen, Osterhas, komm mal her ich zeig dir was, geh doch nicht an mir vorbei, bring mir doch ein Osterei.
Setz es in das grüne Gras, Osterhäschen, Osterhas. Eierlein, bunt und fein, das wird eine Freude sein.
Eine gute Nach-Osterwoche wünscht dir Carola.