von Corina aus Moreno
Am Ostermontag wäre hier in Moreno eigentlich schon wieder ganz normal Unterricht gewesen. Aber eben nur eigentlich, denn am vorigen Mittwoch hat in großen Teilen von Gran Buenos Aires ein ziemlich heftiger Sturm gewütet. Es wird diskutiert, ob es tatsächlich ein Tornado war oder nicht. Egal, was für ein Wetterphänomen es war, die Konsequenzen waren (und sind) weitreichend. Teilweise ist – Gott sei Dank – außer ein paar abgeknickten Ästen nichts passiert. Anderswo hatten die Menschen nicht so viel Glück: Ihre Dächer wurden abgedeckt, ihre Häuser durch umfallende Bäumen zerstört, ihre Wohnungseinrichtungen vom Wind davongetragen und ihre Autos herumgeschleudert. Besonders betroffen waren zum Beispiel Ituzaingó, La Reja oder Merlo. Auch am Ende der KW 15, mehr als eine Woche nach dem Sturm haben viele Haushalte nach wie vor keinen Strom, kein Wasser, kein Telefon, kein Internet, kein Fernsehen.
Der Gewalt des Sturmes fiel tragischerweise auch eine Schülerin der neunten Klasse (Tercero de Secundaria) zum Opfer. Ihre Beerdigung war am Montag. Deswegen wurde der gesamte Unterricht in Secundaria, Primaria und Jardín (wo es sowieso noch kein Licht gab), abgesagt.
Ich bin ganz normal morgens zur Schule gefahren. Man hat mir schon gesagt, dass wohl kein Unterricht stattfinden wird. Aber ich wollte mich trotzdem kurz sehen lassen und wissen, ob in der Schule irgendwas kaputtgegangen ist und ob ich evtl. bei Aufräumen helfen kann. Es waren aber nur sehr wenige da – ein paar vereinzelte Lehrer, die Direktorin und das Reinigungspersonal – und man hat mir gesagt, ich soll wieder heimgehen.
Zuhause wollte ich dann den Tag nutzen, um meine bislang schwer vernachlässigten Masterbewerbungen in Angriff zu nehmen. Leider gab es auch dort keinen Strom. Seit Sonntagabend hatten wir eigentlich wieder Strom und Internet gehabt, aber am Montagvormittag war er schon wieder weg. In der ganzen Gegend war bis zum Abend der Strom weg und man konnte nicht viel machen außer Lesen, Essen oder Schlafen.
Am Dienstag war wieder regulär Unterricht. Das heißt, den Umständen entsprechend... Die Frage des Tages war: „Und bei dir daheim?” Ich muss ehrlich sagen, viel gearbeitet wurde nicht, denn alle hatten ein wahnsinniges Bedürfnis, über das Erlebte zu sprechen. Die Ereignisse gingen an keinem spurlos vorbei. Am Donnerstag und Freitag war ja Feiertag, so dass sich viele seit dem Sturm noch nicht gesehen hatten. Jeder hatte seine Geschichte, viele hatten großes Glück gehabt, andere weniger. In der Bibliothek, wo ich normalerweise arbeite, wenn ich nicht im Unterricht bin, hat man sich ausgetauscht. Die Leute, auch Lehrer und anderes Schulpersonal, waren teils schwer betroffen.
Nachmittags war ich dann mit der Deutschlehrerin Daniela im Unterricht. Das heißt, sie hat den Unterricht gemacht und ich bin immer mit drei Schülern für jeweils 10 bis 15 Minuten in einen anderen Raum gegangen und habe mit ihnen gesprochen, um den mündlichen Teil der FIT-Prüfung vorzubereiten.
In dieser Stunde waren schon nicht mehr so viele Schüler da: Ab Mittag in etwa kamen immer mehr besorgte Eltern und holten ihre Kinder von der Schule ab. In Moreno war ein „piquete“ (eine Straßensperre, ein Protestaufmarsch) angesagt. Die Menschen wollten protestieren, dass sie endlich wieder Wasser und Licht bekommen. Solche Menschenversammlungen laufen hier angeblich manchmal recht gewalttätig ab. Es wurde erzählt, dass im Zug eine große Ladung Polizisten gekommen sei, dass alle Läden geschlossen hätten und man bloß nicht Bus fahren sollte, weil der eh nicht ankommt. Eigentlich hätte ich kurz darauf noch einmal so eine FIT-Vorbereitung mit Daniela gehabt, aber es kamen noch zwei von 29 Schülern zur Stunde. Der Unterricht fand nicht statt.
Die Schule war wie ausgestorben. Zu mir meinten die Lehrerinnen, es wäre besser, wenn ich nicht alleine heimgehe, und schon gar nicht mit dem Bus. Deswegen habe ich mich umgehört und konnte am Ende bei einer Frau, die auch an der Schule arbeitet und in Capital wohnt, im Auto mitfahren. Sie hat mich in der Nähe meines Hauses abgesetzt. Wir sind nicht durchs Zentrum gefahren. Ich weiß nicht, wie es dort war. Was ich gesehen habe: In der Gegend rund um die Schule war sehr viel Verkehr, die Läden waren wirklich alle zu. Später waren die Straßen leer. Zuhause haben sie mir erzählt, dass man hier seit 2001, als wegen der schweren Wirtschaftskrise geplündert und protestiert wurde, bei solchen Aufmärschen immer vorsichtig sei.
Am nächsten Tag habe ich in der elften Klasse meine Powerpoint-Präsentation über deutsches Essen beendet, weil ich letztes Mal nicht fertig wurde. Mein Arbeitsblatt mit den einzelnen Gerichten und regionalen Spezialitäten haben sie zwar nicht ausgefüllt, aber sie waren sehr interessiert. =) Am Ende hatten wohl alle ziemlichen Hunger (ich inklusive). Ansonsten habe ich am Mittwoch den Unterricht für Donnerstag und Freitag vorbereitet. Eine Deutschlehrerin fällt für längere Zeit aus und ich sollte ihren Unterricht im Jardín und Primaria übernehmen. Da ich kein Lehrer bin, brauche ich dazu immer unverhältnismäßig lange - zumal Karin, die Bibliothekarin, die mir normalerweise immer gute Tipps zu den Materialien gibt und sagt, wo was ist, nicht da war. Am Mittwochabend erreichte mich eine Email, dass noch eine Lehrerin fehlen wird und ich einspringen soll.
Am nächsten Morgen erfahre ich, dass es im Jardín schon eine andere Lehrerin gibt, die die Deutschstunden übernimmt. Ich werde also nicht gebraucht. Die Deutschvertretung in der Secundaria mache ich schon. Die Kinder freuen sich wahnsinnig. Die Zeit vergeht auch jedes Mal sehr schnell und es macht Spaß, aber danach ist meine Stimme immer recht mitgenommen: Eigentlich muss ich generell brüllen und/ oder in jedem zweiten Satz um Ruhe bitten.
Nachmittags bin ich bei Cecilia in zwei FIT1-Klassen (zwei siebte Klassen) dabei, um die Infos für unsere Otto-Facebook-Seite zu sammeln. Es macht ihnen Spaß, aber auch sie sind sehr laut. Am Ende mische ich die Infos aus beiden Klassen und lege so das Profil für „Champi Otto“ an. Außerdem beginne ich noch, die Fragebögen von „Usá la Basura” einzusammeln. Vor Ostern hatten wir an je zehn zufällig gewählte Schüler aus jeder Klasse der Secundaria über ihre „libreta“ Fragebögen für die Eltern ausgeteilt. Die „libreta“ ist ein Heft, worüber die Schule sich an die Eltern wenden kann. Wir hatten gesagt, dass die Fragebögen in der Woche 9. bis 13. April abgegeben werden sollen. Es war aber eine besondere Woche und deswegen haben wir erst am Donnerstag angefangen, die Leute darauf anzusprechen. Die wenigsten hatten daran gedacht, manche hatten ihn verschlampt, ein paar konnten ihn schon abgeben.
Freitag, der dreizehnte. Aber ich bin ja nicht abergläubisch. Morgens habe ich mit dem Einsammeln der Fragebögen weitergemacht. Das war Chaos pur, denn manche Klassen hatten gar keinen erhalten. Manche Schüler hatten ihre „libreta“ bei sich, andere in der „preceptoria“. Eine „preceptoria“ hat Aufsichtspflicht und ist für bestimmte Verwaltungsangelegenheiten zuständig.
Zwischendrin habe ich wieder die Deutschlehrerin in der zweiten Klasse vertreten. Die Themen Farben und Schulsachen, die sie mit ihrer Lehrerin angefangen haben, werden ihnen langsam langweilig. Nächste Woche muss ich etwas anderes machen, sonst werden sie noch unruhiger.
Auch in der Primaria haben wir schon mit der Vorbereitung für die FIT-Prüfung angefangen: In zwei sechsten Klassen habe ich in Kleingruppen für den Sprachteil geübt. Sie sind noch etwas schüchtern, aber das ändert sich bestimmt noch. Und zu guter Letzt habe ich dann noch meinen Wochenbericht abgetippt =) Fazit zum Freitag, den dreizehnten: Es war etwas (sehr) chaotisch. Wenn ich nicht im Unterricht war, bin ich den ganzen Tag den Fragebögen nachgelaufen. Ich habe vielleicht die Hälfte zurückbekommen. Manche habe ich wahrscheinlich fünfmal gefragt, aber was soll´s =)
Eine ereignisreiche Woche geht zu Ende.
Was viele jetzt antworten, wenn man sie fragt, wie es ihnen mittlerweile geht: "Bueno, qué vamos a hacer? Es lo que hay. Hay que seguir adelante." Frei übersetzt: „Naja, was will man machen. Irgendwie muss es ja weitergehen.”
Trotz der Widrigkeit und der Traurigkeit, muss man immer irgendwie weitergehen und in die Zukunft hoffnungsvoll blicken.
Municipalidad de Moreno, justo en mi horario de salida, la verdad cuando yo fui, no pasaba nada, habia mas policías que personas, los trenes y colectivos funcionaron normalmente y si, es verdad q habia negocios cerrados, algunos, no todos, (la heladeria, la panaderia estaban abiertas. Lo que pasó es que los chicos empezaron a llamar por celular a los padres para q los vengan a buscar y ante la confusión los padres, obviamente prefieren llevárselos.