Federico
Roibón, Firmensimulationslehrer an der Escuela Provincial de Education Tecnica
Nr.24 „Simón de Iriondo” in Resistencia/ Chaco, Argentinien
Ines Patzig-Bartsch, Projektleitung “Schulen: Partner der
Zukunft” am GI Buenos Aires , Region
Argentinien, Chile, Uruguay, Paraguay,
Mattias Liebl, „kulturweit“-Freiwilliger im PASCH-Büro in
Buenos Aires
Víctor Reyes, Schulleiter des Liceo Bicentenario de Excelencia Polivalente San Nicolás




Mattias: Überall, ob beim „kulturweit“ Vorbereitungsseminar am
Werbellinsee oder hier im PASCH-Büro Buenos Aires ist ein Projekt in aller
Munde: Die Firmensimulation mit sogenannten ‚Übungsfirmen‘. Herr Roibón, um was
handelt es sich denn genau bei diesem Projekt?
Federico Roibón: Nun, im Projekt der Firmensimulation
werden s.g. Übungsfirmen von Schülern gegründet und weitergeführt. Diese
Übungsfirmen simulieren diesselben
Strukturen, Abläufe und Geschäftsfälle wie Firmen in der freien Wirtschaft. Es
gibt zwei Modelle: Reine Firmensimulationen arbeiten ohne Produktion. Übungsfirmen hingegen produzieren in kleinen
Mengen, um den Prozess authentischer zu gestalten... Die Schüler stehen in ständiger Geschäftsverbindung mit anderen
Übungsfirmen, mit aber auch mit Banken, Krankenkassen oder dem Finanzamt
und erhalten so bereits in ihrer Schulzeit Einblick in den Berufsalltag
und lernen Verantwortung zu übernehmen.
Mattias: Welchen Stellenwert hat das
Projekt „Firmensimulation“ an Ihrer Schule?
Roibón: Seit wir im Schuljahr 2002/03 zum
ersten Mal daran teilgenommen haben, hat sich einiges verändert. Heute gehört
die Firmensimulation als Teil der berufvorbereitenden Praktika fest zum
Curriculum der technischen Fächer in der Mittelstufe. 2005 wurde die erste
Schülerfirma „Madera del Monte“ gegründet und in das Netzwerk simulierter
Firmen in Argentinien CAS integriert, welches widerum ein Teil des
internationalen Netzwerks „Europen“ ist, das den Austausch und die
Zusammenarbeit mit erschiedlichen Übungsfirmen in der ganzen Welt ermöglicht.
Mattias: Und was ist nun die genaue
Verbindung zum Themenbereich „Deutsch als Fremdsprache“?
Patzig-Bartsch: Für die berufliche Zukunft
werden Fremdsprachenkenntnisse zunehmend wichtiger. Um die Schüler schon
während ihrer Schulzeit zum Erlernen einer Sprache zu motivieren und gezielt
auf Kontakte mit und in deutschsprachigen Unternehmen vorzubereiten, haben wir
in Zusammenarbeit mit den Bildungsministerien und Schulen der einzelnen Länder
und Regionen ein System entwickelt, dass Deutsch als Bestandteil der
Firmensprache in die Firmensimulation integriert und das Projekt um eine neue
Handlungskompetenz erweitert. Mit dem Kontext der Firmensimulation erhält die
deutsche Sprache eine berufsbezogene Relevanz und kann auch unmittelbar zur
Anwendung gebracht werden. Den Schulen ist es so möglich, auch Kontakte mit
deutschen Firmen, Schülerfirmen und Übungsfirmen zu knüpfen und über den
südamerikanischen Tellerrand hinaus zu schauen. Ein erster Schritt in diese
Richtung war die Teilnahme von „Maderas del Monte“ an der Firmensimulationsmesse
in Freiburg im Herbst 2010.
Reyes: Unsere
bisherigen Erfahrungen mit dem Projekt PASCH in der San Nicolás Schule sind
spektakulär, denn sie erzeugten bei den Schülern hohe Erwartungen, diese wiederum motivieren sie, weiter zu lernen und sie lernen Deutsch, um
ihre Berufschancen zu erhöhen und sich um die verschiedenen Stipendien bewerben
zu können.
Das Angebot Deutsch zu lernen, hat übrigens auch dazu
beigetragen, die sozialen Unterschiede in sensiblen Sektoren wie in unserem zu
reduzieren.
Die Einführung des Projekts Firmensimulation in die
Berufsbildungszweige unsere Schule wurde enthusiastisch angenommen, weil sie
die Erwartungen der Schüler bedient. Der Lehrer, der nach Argentinien gereist
ist, um sich mit dem System der Übungsfirma an der PASCH-Schule in Resistencia
vertraut zu machen, leitet das Projekt und wir erhoffen uns bald den ersten
Nutzen. Die Vermittlungschancen für Absolventen unserer Schule sind schon jetzt
durch die Deutschkenntnisse verbessert und werden sich jetzt weiter erhöhen,
denn unsere Region ist bei deutschen Touristen und Firmen sehr beliebt.