"Man kann sehen und blind sein - und man kann blind sein und sehen." (aus "Die Blindgänger")
Am 28. und 29. September fand im Liceo de Nueva Helvecia in Uruguay das Filmseminar "Aprender a mirar: el cine va a la escuela" statt. Die beiden Leiter des Seminars Psychologie-Pädagogin Alejandra Rabuini und der Kulturweit-Freiwillige Jonathan Steinhardt, der bereits selbst Erfahrungen im Bereich Film sammeln konnte, arbeiteten an den zwei Tagen mit insgesamt 25 Schülern und 20 Lehrern.
Die beiden Leiter nutzten die zwei Tage in Nueva Helvecia, um den 25 anwesenden Schülern und 20 Lehrern im Liceo N°1 eine breitere Sichtweise auf (deutsches) Kino und dessen didaktische Anwendungsmöglichkeiten im Unterricht aufzuzeigen.
Am Freitag, den 28.09, sollten sich die Lehrer gänzlich zurückhalten und ihre Aufmerksamkeit in stiller Beobachtung auf die Partizipation der Schüler und deren Entwicklung im Laufe des Tages richten, um diese dann am folgenden Tag mit den Lehrern in einer lebhaften Diskussion zur Sprache zu bringen.
Nach einer intensiven, aber knappen Einführung in die Welt der Kameraführung, Beleuchtung, Regie, Produktion, Drehbuch und dessen stilistische und erzählerische Mittel, wurden die Schüler dem Genuss des Spielfilms „Vincent will Meer“ mit leicht lenkenden Fragestellungen bezüglich Schauspiel und Charaktergestaltung, Musik und Ton sowie Kamera und Schnitt überlassen.
Anschließend eröffnete Alejandra Rabuini den Dialog zwischen Schülern und Seminarleitern, welchen die Lehrer von außen verfolgten, mit der Frage, welche Gefühle der Film in den Schülern hervorgerufen hatte. „Welche Dinge haben euch bewegt?“ „Und hat sich etwas in eurer Erfahrung „Film schauen“ dadurch verändert?“
Die veräußerten Bereicherungen der Schüler sind von überraschender Profundität und werden durch Hintergrundwissen zu Kameraeinstellungen, -bewegungen, Licht-, Kostüm- und Szenenbildgestaltung sowie deren psychologischer als auch ästhetischer Wirkung seitens der Seminarleiter vertieft.
So entflammten angeregte Diskussionen um Vincent und Maries Persönlichkeiten (die Protagonisten des Spielfilms), deren Beziehung und ihrer technischen als auch künstlerischen Ausarbeitung. Die entbrannte Begeisterungswelle ist ansteckend und so fiel es den beiden Seminarleitern schwer, die Kinder, wie geplant um 18.00 Uhr, mit dem jetzt entbrannten Wunsch ein eigenes Filmprojekt zu realisieren, ins Wochenende zu schicken.
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