bei uns daheim
bei uns daheim?
Porteños, Sanjuaninos, Argentinos
Buenos Aires ist eine riesige verrückte Stadt, die ich im laufe de Zeit lieben gelernt habe.
Tausende Angebote jederzeit: Bars, Bar Francés, Theater, Konzerte, Milongas, Asados und was einem noch so einfallen könnte...Es wird nie langweilig und man kommt selten zur Ruhe.
So wundert es einem kaum, wenn die Einwohner dieser Stadt des Öfteren gestresst sind und es manchmal auch zeigen. Beispielsweise wenn ein Busfahrer die Türen aufmacht und einem Fussgänger, der sich lauthals beschwert, weil er fast überfahren worden wäre, zuschreit: „¡Vení que te rompo la cara a piñas!“. (sanft ausgedrückt:“Ich mach dich fertig!“)
Ich hatte das Glück, für ein Projekt in eine weitere Stadt Argentiniens fahren zu können, in der das Leben einen ganz anderen Rythmus hat: San Juan die Sonnenstadt. Mit herbstlichen 27° C empfing mich die Stadt, ich konnte mich nicht beschweren. Ihre Bewohner lernte ich schnell kennen und sie nahmen mich herzlichst auf. Zunächst war ich etwas verdattert von so viel Freundlichkeit, so wurde ich von einer Eisverkäuferin dermaßen nett bedient, dass ich fast ein wenig paranoid wurde...Doch so oder so ähnlich waren fast alle Menschen in der Sonnenstadt, entspannt, freundlich und auch etwas verschlafen. Während der Siesta, kann man dann auch wirklich nichts machen ausser zu schlafen, da die Stadt in dieser Zeit wie ausgestorben ist.
Als ich in der Runde von meiner Liebe zu Buenos Aires erzählte, sah ich jedoch den Hass in den Augen des Sanjuaninos entflammen : „Porteños giles...!“ (verdammte Porteños...). Allgemein herrscht zwischen den Bewohnern der Hauptstadt und denen der restlichen Provinzen des Landes eine grosse Rivalität. Meistens werden die Bewohner von Buenos Aires als arrogant empfunden, sie würden die anderen Provinzen unterschätzen und sich als etwas Besseres sehen. Meine neugewonnenen Freunde aus San Juan fühlten sich daher herausgefordert. Sie wollten mir zeigen, dass ihre Stadt um Längen schöner, spannender, besser als Buenos Aires ist.
Gesagt, getan.
Während meines kurzen Aufenthalts in der Stadt wurde ich überall hin mitgenommen. Mir wurde der Dique gezeigt, ein Staudamm außerhalb der Stadt, an dem sich Menschen jeden Alters treffen, um Mate zu trinken und verschiedenste Sportarten zu machen. Nachts kann man dort zwischen den Hügeln die Autos der jungen Pärchen sehen, die vorm Elternhaus fliehen, um etwas „Privatsphäre“ zu haben.
Wir aßen Asados, tranken Fernet und sangen Nächte durch. Wir übernachteten sogar auf einem Berg, um den Sonnenaufgang über San Juan zu sehen. Schnell schloss ich die Sanjuaninos mit ihrer lustigen Art zu reden ans Herz und bekam in der kurzen Zeit ein wenig vom Charme der Stadt mit.
Mein Fazit nach San Juan? Argentinien hat wunderbare Städte und wer die Möglichkeit hat,
sollte sich auf jeden Fall auch außerhalb der Hauptstadt bewegen. Sowohl Buenos
wie auch San Juan haben mich auf ihre eigene Art fasziniert.
Letztens fragte
mich eine Schülerin, die gerade den Komparativ lernte, was besser sei, Chile
oder Argentinien. Als Chilenin antwortete ich selbstverständlich mit Chile! Doch mal unter
uns, kann ich nach den vergangenen Monaten sagen, dass Argentinien auch nicht
übel ist, es ist sogar ein ziemlich geiles Land.
Konrads erste Eindrücke aus Tucumán
von Konrad Krause, Escuela Tecnica Nº 2 Obispo Colombres San Miguel de Tucumán
Nach einer netten Zwischenlandung im Goethe Institut - Buenos Aires, ging es dann nach langer Vorbereitungsphase ENDLICH nach San Miguel de Tucumán.
Angekommen, wurde ich gleich sehr herzlich im Kreise der Familie Ungherini, mit einem gemeinsamen Abendessen begrüßt. Viel Essen auf dem Tisch und viele laute nette Stimmen schwirrten herum. Die Familie ist super. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, ein Teil dieser zu sein. Jedoch konnte ich aufgrund meiner schlechten Spanischkenntnisse noch nicht wirklich am Gespräch teilnehmen. Aber ich wusste schon jetzt, das wird gut! Wenn man sich normalerweise doch gerne mitteilt, ist es oftmals wirklich nicht auszuhalten. Wenn man gerade stolz einen Satz in seinem Kopf gebaut hat, ist das Thema auch schon nicht mehr aktuell. Aber das gehört dazu und ist ja auch irgendwie spannend, auch wenn es des Öfteren sehr frustrierend sein kann. Mein Rezept für die Anfangszeit: alles mit Humor wegmachen, viel mit Körpersprache kommunizieren, ein wenig Charme und dann macht es auch Spaß.
Mein erster Eindruck der Stadt war nicht unbedingt sehr überwältigend. Die Stadt vermittelt das typische Bild einer Planstadt und irgendwie sieht dementsprechend auch alles meist gleich aus. Mittlerweile bin ich 3 Wochen hier und auf den zweiten Blick sprüht die Stadt nur so vor Leben. Theater, Kino, Kaffee trinken, Empanada, Milanesa, Asado, im Park liegen, Sport, Gleitschirmfliegen, Eis essen, „Boliches“... Das Angebot ist schier unendlich. San Miguel liegt im Herzen einer überwältigenden Landschaft.
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Bisher habe ich es leider nur nach Tafi de Valle geschafft. Der Massentourismus in den Osterferien ließ keinen weit entfernten Ausflug nach Salta zu. Aber mit einem alten Freund wiedervereint auf einem Berg in Tafi zu stehen, war einfach toll. Man wird ziemlich schnell ein Teil von einer anderen Mentalität. Die Essenszeiten und Schlafgewohnheiten habe ich sehr schnell adaptiert... Zur Siesta am Wochenende ist die Millionenstadt wie ausgestorben. Das muss man sich vorstellen wie in einem Western, wenn der Strohball ganz gemütlich durch die leere Stadt weht... Aber gegen 18 Uhr brennt auch schon wieder die Luft. Mein Gefühl ist, dass die Menschen sich hier viel näher sind. In Deutschland sitzt man in der Bahn und liest sein Buch und hier wird erzählt bis sich die Balken biegen. Beispiel: Die Oma, die in Deutschland mit ihrem Sitzkissen am Fenster hockt und über die Nachbarskinder meckert, sitzt hier auf einer Bank im Stadtzentrum und erfreut sich ihres Lebens. Natürlich will ich die Schublade nicht zu weit aufreißen, aber das sind meine Eindrücke. Zweifelsohne gibt es auch negative Dinge, welche ich besonders an jedem Montag zu spüren bekomme. Hier arbeite ich für ein paar Stunden im Kinderkrankenhaus mit einer Freundin der Familie. Sie erklärt mir sehr viel und ich helfe wo ich kann. Da stolpert man doch über so einige sehr traurige und unglaubliche Geschichten.Ich hatte das Glück eine super Wohnung zu finden. Welche dann doch nicht ganz mit den deutschen Standards ausgestattet ist, aber durch viel Charme und Gemütlichkeit überzeugt. Ein französisches Pärchen und 2 Mexikaner, die den ganzen Tag unglaublich viel positive Energie versprühen, wohnen jetzt mit mir unter einem Dach.
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Es macht viel Spaß in dieser Stadt und einen wesentlichen Teil trägt natürlich auch der Unterricht an meiner Schule bei. Schulalltag: So gegen 8 Uhr springe ich aus dem Bett und setze mich wie fast jeden Morgen an meine Hausaufgaben und bereite auch noch etwas für die Schule vor. Dann kommt die Sonnenbrille auf die Nase und rein in den nächsten x-beliebigen Bus in Richtung der Schule. Der Busfahrer fährt wie ein Henker und navigiert den Bus wie ein Spielzeugauto durch den wilden Straßenverkehr. An der richtigen Kreuzung springe ich aus dem Bus und lege die letzten paar Meter zu Fuß zurück. In der Schule bekomme ich immer noch viele Blicke á la „wo will der denn hin...“ oder „da ist der Deutsche“. Bei fast 1500 Schülern kein Wunder. So bald ein paar Schüler von mir auftauchen, gehen erst einmal alle möglichen Variationen der „Handshakes“ los, dicht gefolgt von den Willkommensbussis. Darauf prasseln die Fragen nur so auf mich ein. Das Interesse ist groß und es macht auch wirklich einfach Spaß so viel Lebensfreude zu spüren.
Das Temperament ist bei den meisten so stark ausgeprägt, dass alle durcheinander reden und es für mich schwer ist überhaupt eine Frage zu entschlüsseln. So bald Sylvia die Tür dann für den bunt geschmückten Deutschraum aufgeschlossen hat, geht es darum das Temperament gezielt zu lenken. Wenn die Energie erst einmal mit Neugier gekoppelt wird, kann man viel erreichen!
Sylvia ist eine sehr gute Lehrerin und sie macht den Unterricht auch immer sehr spannend und abwechslungsreich. So dass die Schüler keine andere Wahl haben und etwas lernen müssen. Ob nun der blaue Frageball durch die Lüfte fliegt oder wir wild durch den Klassenraum laufen und uns Fragen stellen, hier passiert immer etwas.
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Die deutsche Kultur soll ja auch vermittelt werden, also haben wir an der von „Otto der Vogel“ initiierten Ostereiermalaktion teilgenommen. Es ist sehr viel Schönes dabei herausgekommen und das ausblasen von 60 Eier an einem „normalen“ Sonntag mit der Familie Ungherini war gesichert.Wie man vielleicht dem Artikel entnehmen kann, geht es mir sehr gut und ich bin nun sehr auf die vor mir liegende Zeit gespannt.
Hasta luego.
Deutschferiencamp in San Nicolás
von Rike
Meine zweite Januarwoche startete ich mit Clara aus Arica in meinem Dörfle San Nicolás. Wir organisieren ein Deutschferiencamp für meine Schüler vom Liceo Polivalente. Es war geplant um 9 Uhr anzufangen, doch das verschob sich um 40 minuten, da immer mehr Schüler nach und nach eintrafen. Es hatten sich sehr viele eingetragen und ich bin froh, dass die Zahl der Kinder von 10 bis 15 variiert. Das ermöglicht ein effektiveres und entspannteres Arbeiten.
Montag spielten wir verschiedene Spiele, bei denen die Kinder deutsche Adjektive passend zu ihren Namen oder andere Wörter zu den gegebenen Buchstaben finden müssen. Verpackt als Wettbewerb kommt das immer gut an. Um sich untereinander besser kennenzulernen, hatten sie die Aufgabe fünf Sätze über sich zu schreiben: 1. und 2. über das Aussehen, 3. Vergangenheit, 4. Zukunft und 5. etwas ganz Spezielles über ihre Person. Das ereignete sich als sehr zeitaufwendig, da die Schüler es nicht gewohnt waren abgesehen von Namen, Wohnort und Alter interessante Sachen über sich zu erzählen. Letztendlich sind fantastische und durchaus lustige Beschreibungen entstanden („Ich aß schon einmal Katzenfutter.“; „Ich möchte ein Eichhörnchen haben.“). Dienstag trugen wir die Beschreibungen vor und es wurde geraten, wer sich dahinter verbirgt. Anschließend stand Gruppenarbeit auf dem Plan, was sich anfänglich als nicht so leicht herausstellte. Zusammenarbeiten muss gelernt werden! Die Kinder bekamen Plakate mit Comics, wobei nur die ersten Bilder vorgegeben waren. Sie malten die Bilder aus und vervollständigten die Geschichte mit Bild und Text. Dann fanden sie noch eine passende Überschrift.
Mittwoch wurden die Plakate beendet, vorgestellt und an als Verschönerung des Deutschraumes an die Wand gehangen. Kreative Geschichten entstanden mit den Titeln „Unmögliche Liebe“, „Was kostet das?“ und „ Ein Baum aus Kaugummi“. Wir sangen und tanzten „Ein Tiroler wollte jodeln gehen“. Die Kinder hörten anschließend nicht mehr auf zu jodeln.Donnerstag stand Gedichte schreiben an. Da hatten wir doch eindeutig unterschätzt, wie lange man für elf Wörter brauchen kann. Die Aufgabe war zwei Elfchen zu verfassen und diese auf einem A5-Blatt zu gestalten. Es dauerte seine Zeit, doch unglaublich geniale Dichter schrieben wahnsinnig witzige und ausgefallene Elfchen.
Warten Meine
Tut weh Gitarre singt
Vergessen tut weh Sehr Schöne Melodien
Keine Ahnung welche Entscheidung Sie ist mein Hobby.
Freundschaft Liebe!
Freitag war die Aufgabe ein Akrostichon zu schreiben. Die Buchstaben des eigenen Namens werden untereinander geschrieben und die Kids suchten Worte, die ihre Persönlichkeit, Aussehen oder Vorlieben beschreiben. Ebenfalls schrieben alle für Clara ein paar Worte, die ihr die Langeweile der Rückreise nehmen sollten. Zum Schluss noch ihre Verabschiedung und wir starteten ins Wochenende.
Wir spielten ebenfalls jeden Tag Spiele zum Auflockern und Wachwerden und sangen fleißig Lieder. Alle Arbeiten werden nach diesen zwei Wochen mit Fotos in einer Campzeitschrift zusammengefasst, die jeder Schüler anschließend als Erinnerung mit nach Hause nimmt. Natürlich muss auch die Essensversorgung stimmen: reichlich Kekse, Früchte, Kuchen und Säfte trugen wir fleißig jeden Morgen zur Schule. Die erste Woche des Sommercamps ist super verlaufen und es geht ja noch weiter!
Liebste Grüße aus meinem Dörfle San Nicolás
Rike
Santiago in Kathis Augen
von Kathi Strauss aus Santiago de Chile
Santigo ist eine gigantische Stadt, in vielerlei Hinsichten. Acht Millionen Menschen - beinah die Hälfte aller Chilenen – leben hier im unangefochtenen kulturellen, politischen, wirtschaftlichen und industriellen Zentrum des Landes.
Es ist Hochsommer, die Hitze schwirrt durch die Stadt. Ventilatoren in der U-Bahn laufen aus Hochtouren und versprühen einen leichten Sprühnebel auf die Masse herab. In den Bussen gibt es so etwas fortschrittliches leider nicht und deswegen werden die Fenster und Luken so weit aufgerissen wie nur eben möglich, um möglichst viel Fahrtwind in den Bus zu locken.
Diese Woche hatte ich noch frei und verbrachte die Zeit überwiegend im kleinen, gefliesten Garten, immer auf der Suche nach dem kühlsten Sitzplatz. Die Katze suhlt sich in ihrem Wassernapf und ansonsten bewegt sich keiner. Nicht einmal die omnipräsenten Straßenhunde bellen jenseits der Mauer. Als „Apathie als einzig möglichster Zustand“ beschrieb Max Frisch in „homo faber“ die Situation seiner im mexikanischen Dschungel gestrandeten Hauptperson und so ist es hier auch.
Abends dann, wenn es langsam dunkler und kühler wird, kommen alle aus ihren Hinterhöfen und Terrassen hervor, die Straßen füllen sich wieder und das zuvor pausierte Leben geht wieder los, wie immer in dieser rastlosen Stadt.
Ich schaue dem staunend zu: Ist denn wirklich Januar? Was macht der Plastikweihnachtsbaum in meinem Wohnzimmer? Die Tagesschau zeigt Berichte übers Skispringen, nicht dass mich Wintersport besonders interessieren würde, aber so ein verschneites, österreichisches Bergdorf hat grade eine verlockende Anziehungskraft.
Nächsten Montag geht der Sommerkurs los, von zehn bis drei. Dann werde ich im Garten darauf warten bis es etwas kühler wird. Santiago im Hochsommer; Ab Anfang April soll es besser werden, meint meine chilenische Mitbewohnerin. Fügt aber gleichzeitig hinzu, dass es ab Ende Mai empfindlich kalt wird in den kaum isolierten und heizungslosen Häusern.

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