Aber dieser Dienstag war eine Ausnahme. Ich war eigentlich viel zu früh da, aber ich wollte gucken, ob alles bei der Vorbereitung des Konzertraums in Ordnung war. Schließlich sollte an meiner Schule nichts schief laufen! Es stellte sich schnell heraus, dass es eine gute Idee war früher zu kommen. Der ganze Raum war zugestellt mit Stühlen. Vor der Bühne war ein langer Tisch positioniert. Einige Mädchen legten eine weiße Tischdecke darauf und dekorierten diesen mit einer Leselampe und einem Blumenstrauß. Das ganze sah aus wie ein riesen Konferenzraum und rein gar nichts erinnerte an ein bevorstehendes Rap-Konzert.
Mit einem Schmunzeln musste ich feststellen, dass die Bedeutung von einem kreativen Workshop wohl von den Schülerinnen anders verstanden wurde. Eine Konzert-Atmosphäre mitten im Schulalltag schien derartig unmöglich, als dass man es sich hätte vorstellen können. Aber das änderte sich schlagartig. Schnell wurde der Raum freigeräumt, der „Konferenztisch“ mit Blumenstrauß und Leselampe wurden zur Seite geschoben. Sobald die ersten Töne aus den Boxen kamen, machten alle Mädchen mit. Jeder tanzte, rappte, lachte, alberte herum und begutachtete Nico Suave und Roger Rekless, die beiden „männlichen“ Rapper.
Mit großer Bewunderung konnte man beobachten, wie aus einer disziplinierten und ernsten Schülergruppe, ein glücklich-tanzendes Publikum entstand, die sich vom anstrengenden Alltag nichts anmerken ließ. Sogar als für 10 Minuten ein Stromausfall unser Musikequipment lahm legte, änderte sich diese unbeschreiblich gute Atmosphäre nicht. Die Mädchen sangen weiter.
Mit großem Entsetzen musste ich später feststellen, dass nicht alle Deutschschülerinnen dabei sein konnten. Als Strafe für eine schlechte Zensur mussten diese Mädchen während des Workshops den Boden ihrer Klassenzimmer wischen. Für sie gab es leider kein unvergessliches Rap-Konzert wie für die restlichen achtzig Schülerinnen.

















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