„Ich habe den Lärm der Matatus vermisst“, antwortete der kenianische Deutschlehrer Abel Miriti auf die Frage, was ihm an Deutschland am wenigsten gefallen hätte. Matatus, das sind in Kenia bunte Kleinbusse, die sich – oft mit großen Musikboxen ausgestattet – lautstark durch den kenianischen Verkehr schlängeln. Von Deutschland hatten die kenianischen Lehrer und Lehrerinnen erwartet, dass es ein verlässliches Verkehrssystem gäbe mit leeren Straßen und pünktlich abfahrenden Zügen. Doch das genaue Gegenteil erwartete viele von ihnen bereits bei der Anreise nach Deutschland. Die extremen Temperaturen im letzten Jahr führten oft zu Chaos auf den Flughäfen und bei der Deutschen Bahn – eine Herausforderung, der sich auch die Stipendiaten aus Kenia stellen mussten. Übernachtungen auf dem Flughafen, volle und verspätete Züge und kilometerlange Staus auf der Autobahn – einige Lehrer waren mehr als 2 Tage von ihrem Heimatort in Kenia zum Seminar- oder Schulortort in Deutschland unterwegs.
Vor allem die Schulen, an denen einige kenianische Lehrer und Lehrerinnen im November drei Wochen hospitierten, befanden sich selten in deutschen Großstädten, sondern u.a. in Thaleischweiler-Fröschen, Bautzen und Filderstadt.

Cyrus Maina, Lehrer an der
PASCH-Schule in Meru und Gloria Simbaulanga, Lehrerin an der
PASCH-Schule in Dar es Salaam, nahmen dagegen am Deutschlehrer-Kolleg des
Goethe-Instituts Schwäbisch Hall teil. In dem vierwöchigen Seminar lernten sie in einer internationalen Gruppe verschiedene Aspekte der Methodik und Didaktik in Deutsch als Fremdsprache kennen: von der Lehrbuchanalyse, über Lernstrategien bis zur Vermittlung von Landeskunde. Landeskunde, das sind für Cyrus vor allem die leckeren schwäbischen Mautaschen, wie er im Evaluationsseminar betonte.



Johann Kosian, der Deutschlehrer an einem kenianischen College ausbildet, nahm an einem Fortbildner-Seminar des
Goethe-Instituts Bonn teil. Ihn beeindruckte besonders der Besuch einer Vorlesung an der Uni Bonn zum Thema „Dracula und die Aspekte des Blutsaugens in der deutschen Literatur“.
Für Eric Kiprotich war das prägendste Erlebnis, die Fußball-WM in Deutschland zu erleben, vor allem das Spiel Deutschland-Ghana, das er mit anderen Kursteilnehmern in einem Biergarten in Schwäbisch-Hall verfolgte. Zu den anderen Teilnehmern des Kurses hat Eric auch weiterhin Kontakt – über einen Online-Klassenraum auf der
Lernplattform des Goethe-Instituts.
Emmah Osale ist eine von neun Lehrern und Lehrerinnen, die am Hospitations-Programm des
PAD teilnehmen und drei Wochen lang den Alltag an einer deutschen Schule begleitete. Emmas Schule war das Debwitzer Gymnasium in Gera. In diesen 3 Wochen wohnte sie bei der Familie des Schuldirektors, hospitierte im Unterricht und sprach im Geografie- und Englisch-Unterricht mit den Schülern und Schülerinnen über Kenia und ihren Schulalltag an der
Starehe Boys‘ School in Nairobi. So war es für die Gymnasiasten aus Thüringen interessant zu erfahren, dass es in Kenia überwiegend Mädchen- und Jugendschulen gibt, alle Schüler und Schülerinnen Uniformen tragen und der Sportunterricht nicht benotet wird.
Emmahs persönlicher Höhepunkt in diesen drei Wochen: der Schnee. „Ich hatte gehofft, ich würde einmal in meinem Leben Schnee sehen. Am letzten Wochenende war es tatsächlich soweit, alles war ganz weiß“, erzählt Emmah noch heute mit leuchtenden Augen.



Das Goethe-Institut Nairobi vergibt jährlich Stipendien an ausgewählte Lehrerinnen und Lehrer für Sprachkurse, Deutschlehrerkurse oder methodisch-didaktische Fortbildungen an einem Goethe-Institut in Deutschland.
Der Pädagogische Austauschdienst vergibt im Rahmen von PASCH Stipendien an ausländische Lehrer und Lehrerinnen für ein Hospitationsprogramm an einer Schule in Deutschland.


