Literarische Texte spielen im DaF-Unterricht an kenianischen Sekundarschulen in der Regel eine untergeordnete Rolle. Die Texte seien oft zu lang, zu anspruchsvoll und die Zeit zu kurz, so die Vorbehalte vieler Lehrer/innen. Doch dass man sowohl mit kurzen als auch mit langen literarischen Texten wesentliche Bestandteile des DaF-Unterrichts wie Wortschatz, Grammatik und die vier Fertigkeiten üben kann, zeigte Seminarleiter Franz Baur im ersten Teil des gemeinsamen dreitägigen Seminars der
Deutschen Schule Nairobi und des
Goethe-Instituts Nairobi. Am Beispiel von Michael Endes „Kaulquappe“ und Erich Kästners „Ballade vom Nachahmungstrieb“ befassten sich die Teilnehmer/innen nicht nur mit Methoden des Leseverstehens, sondern auch mit lautem Lesen, rhetorischem Vortragen und spielerischen Aspekten der Textarbeit.





Im zweiten Teil des Seminars drehte sich alles um das Thema Wortschatz – ein Thema, das die Teilnehmer/innen sowohl in ihrer Rolle als Lehrer aber auch als fortwährende Lerner einer Fremdsprache betrifft. Befragt nach ihren eigenen Lernerfahrungen, identifizierten die Lehrer/innen die Aussprache einiger deutscher Wörter als größtes Lernproblem. Vor allem die Wörter „schließlich“ und „Magengeschwür“ wurden als schwierige Wörter benannt. Aber auch das deutsche Phänomen der Komposita-Bildung, das unendlich lange Wörter wie „Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“ ermöglicht, macht die deutsche Sprache zugebenermaßen recht diffizil.
Im Laufe des Seminars setzten sich die Deutschlehrer/innen mit verschiedenen Lehr- und Lernmethoden zum Thema Wortschatz auseinander und lernten verschiedene Techniken kennen, mit denen neue Wörter leichter gelernt und behalten werden können. So wurde unter anderen die kulturelle Bedeutung von Wörtern thematisiert. Denn hinter den Lexemen „Morgen“ und „Abend“ stehen in Deutschland und Kenia ganz unterschiedliche tageszeitliche Konzepte, die den Schüler/innen ebenfalls vermittelt werden müssen.
Nach drei Seminartagen reisten die Seminarteilnehmer/innen nicht nur mit neuen Erkenntnissen und Materialen im Gepäck zurück an ihre Schulorte, sondern auch mit Stapeln von Kinderbüchern, Romanen oder deutschen Schulbüchern. Dies geht auf die „Aktion Bücherkiste“ der Deutschen Schulen Nairobi zurück, für die deutsche Familien regelmäßig nicht mehr benötigte Bücher aus ihren Privathaushalten für kenianische Schulen spenden.






