Lernen mit Hand und Fuß
Wer hätte gedacht, dass die Art und Weise wie ein Mensch einen Schrank durch eine Tür bringen möchte, etwas über sein Lernverhalten aussagt? Oder dass ein kleiner Tanz beim Vokabellernen helfen kann? Dies und noch vieles mehr haben wir auf dem Seminar „Multisensorische und teilnehmeraktivierende Methoden für den DaF-Unterricht“ erfahren. Dazu kam Jürgen E. Müller, Theaterpädagoge und Ausbildungstrainer für Suggestopädie, aus Deutschland angereist und brachte viel kurioses Wissen über die Kapazitäten des menschlichen Gehirns und jede Menge Scherzartikel mit.
Lerngymnastik

Wir staunen schon nicht schlecht, als der Seminarleiter so vor uns steht, mit Lupenbrille auf der Nase, Kopfhörern auf den Ohren, Gummizunge und Plastikhundehaufen in den Händen. Visuell, auditiv, gustatorisch, olfaktorisch… Unsere Sinnesorgane helfen uns beim Lernen. Der eine kann besser riechen, der andere hat ein photographisches Gedächtnis und lernt mit seinen Augen und der dritte kann sich nichts merken, das er nicht einmal angefasst hat. Immer mehr wunderliche Gegenstände kommen zum Vorschein und Herr Müller legt sie zu den passenden Kategorien auf den Boden in unserer Mitte. So entsteht nach und nach eine Lernlandschaft, anhand derer sich herauskristallisiert, von wie vielen Faktoren und Fertigkeiten der Lernprozess abhängig sein kann. Das ist also Multisensorik! Die Frage ist jetzt nur, wie schafft ein Lehrer es, die Fähigkeiten und Bedürfnisse all seiner Schüler, aller Lerntypen, im Unterricht zu berücksichtigen? Auch darauf hat Herr Müller eine Antwort: Bewegungslernen, eine ganzheitliche Methode zum multisensorischen Lernen, hier kommen vor allem die Kinästheten auf ihre Kosten. Und kurze Zeit später sieht man knapp vierzig kenianische Deutschlehrer durch das Auditorium des Goethe-Instituts Nairobi hüpfen und Gymnastikübungen machen. Jeder Begriff den wir symbolisch mit einer Körperbewegung verbinden, bleibt uns länger im Gedächtnis als ein abgelesener. So macht Vokabellernen Spaß und man bleibt noch dazu fit! An diesem Freitag helfen wir uns beim „Liedtextlückenpflücken“ gegenseitig den Text eines Liedes zu erschließen, lernen wir wie man Lesetexte entlasten kann und wie man außerdem durch Energieaufbau-Übungen eine gute Abwechslung zwischen Theorie und Praxis, Anspannung und Entspannung (Suggestopädie) gewährleistet. Am Abend sind alle müde und gespannt auf den nächsten Seminartag.
Die Theorie der multiplen Intelligenzen

Nicht eine einzige messbare Intelligenz, sondern verschiedene Intelligenzdeterminanten soll es geben, davon geht Howard Gardner aus. Er ist Professor für Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Harvard University und für Neurologie an der Boston University School of Medicine. Er war allerdings nicht persönlich da. Nach ihm gibt es folgende abgrenzbaren Bereiche menschlichen Potenzials: die intrapersonale, interpersonale, körperlich-kinästhetische, sprachliche, logisch-mathematische, musikalische, räumlich-visuelle und naturalistische Intelligenz. Sie alle sollen uns gegeben sein, allerdings zu unterschiedlich ausgeprägten Teilen. So versucht jemand, der über besonders ausgeprägte körperlich-kinästhetische und räumlich-visuelle Intelligenz verfügt, den großen Eichenschrank kurzerhand anzupacken und durch den Türrahmen zu maneuvrieren. Ein logisch-mathematisch-denkender Mensch wird sich Block, Bleistift und Zollstock greifen und Schrankseiten und Türrahmen abmessen um zu erfahren, ob das Möbelstück nun hindurch passt oder nicht. Ein interpersonaler, sprachlich begabter Mensch sucht sich eine zweite Person um mit ihr über das vor ihnen liegende Problem zu quatschen und sich zu beratschlagen. Der naturalistisch Intelligente weiß: dieser Schrank ist aus Holz!
Diese verschiedenen Ausprägungen unseres Gehirns beeinflussen unser Lernverhalten maßgeblich. Damit man sein Potenzial nicht verschwendet, sollte man unbedingt für sich herausfinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und wie man sie am besten nutzt – intrapersonal-intelligente Menschen beherrschen das In-Sich-Gehen besonders gut!
Unser Hirn lobt sich selbst

Hirnforschung und Psychologie sind also für den Unterricht von nicht unerheblicher Bedeutung. Eine interessante Methode der „Neurodidaktik“ ist zum Beispiel auch das „Generative Schreiben“. Hier produzieren Lerner auf der Basis vorgegebener Textmuster wie zum Beispiel von Songtexten oder Gedichten einen eigenen kreativen Text. Dabei werden einzelne Teile des Musters entweder ersetzt oder umformuliert. Wir probieren das im Workshop mal aus: in Einzelarbeit schreiben wir Gedichte mit dem Titel „Daheim“ nach einer Vorlage von Franz Hohler. Das Ergebnis sind wunderschöne Texte, die Aufschluss darüber geben, was Zuhause und Heimat für viele von uns bedeuten. Einige Gedichte sind lustig, andere rührend, kein einziges ist unkreativ. Der Effekt ist für den Autor sehr positiv, denn er produziert fast eigenständig einen grammatikalisch korrekten Text. Diese Art von Erfolgserlebnis wird auch „Ball-im-Tor-Effekt©“ genannt; der Lerner bekommt unmittelbar die Bestätigung dafür, dass er etwas richtig gemacht hat. So funktioniert das „hirn-interne Belohnungssystem“: motiviert ist man immer dann, wenn etwas klappt!
Im Seminar sind alle hochmotiviert, denn so vieles klappt wunderbar. Mit Jürgen E. Müller wird uns kein einziges Mal langweilig. Anhand lustiger und interessanter Spiele, Übungen und Methoden kann der Deutschunterricht noch mehr Spaß machen und vor allem noch mehr Schüler erreichen. Mit Hand und Fuß fürs Leben und um des Lernens willen lernen! Vielen herzlichen Dank an Jürgen E. Müller und alle, die teilgenommen haben - es war ein Riesenspaß!


Wir staunen schon nicht schlecht, als der Seminarleiter so vor uns steht, mit Lupenbrille auf der Nase, Kopfhörern auf den Ohren, Gummizunge und Plastikhundehaufen in den Händen. Visuell, auditiv, gustatorisch, olfaktorisch… Unsere Sinnesorgane helfen uns beim Lernen. Der eine kann besser riechen, der andere hat ein photographisches Gedächtnis und lernt mit seinen Augen und der dritte kann sich nichts merken, das er nicht einmal angefasst hat. Immer mehr wunderliche Gegenstände kommen zum Vorschein und Herr Müller legt sie zu den passenden Kategorien auf den Boden in unserer Mitte. So entsteht nach und nach eine Lernlandschaft, anhand derer sich herauskristallisiert, von wie vielen Faktoren und Fertigkeiten der Lernprozess abhängig sein kann. Das ist also Multisensorik! Die Frage ist jetzt nur, wie schafft ein Lehrer es, die Fähigkeiten und Bedürfnisse all seiner Schüler, aller Lerntypen, im Unterricht zu berücksichtigen? Auch darauf hat Herr Müller eine Antwort: Bewegungslernen, eine ganzheitliche Methode zum multisensorischen Lernen, hier kommen vor allem die Kinästheten auf ihre Kosten. Und kurze Zeit später sieht man knapp vierzig kenianische Deutschlehrer durch das Auditorium des Goethe-Instituts Nairobi hüpfen und Gymnastikübungen machen. Jeder Begriff den wir symbolisch mit einer Körperbewegung verbinden, bleibt uns länger im Gedächtnis als ein abgelesener. So macht Vokabellernen Spaß und man bleibt noch dazu fit! An diesem Freitag helfen wir uns beim „Liedtextlückenpflücken“ gegenseitig den Text eines Liedes zu erschließen, lernen wir wie man Lesetexte entlasten kann und wie man außerdem durch Energieaufbau-Übungen eine gute Abwechslung zwischen Theorie und Praxis, Anspannung und Entspannung (Suggestopädie) gewährleistet. Am Abend sind alle müde und gespannt auf den nächsten Seminartag.
Die Theorie der multiplen Intelligenzen
Nicht eine einzige messbare Intelligenz, sondern verschiedene Intelligenzdeterminanten soll es geben, davon geht Howard Gardner aus. Er ist Professor für Erziehungswissenschaften und Psychologie an der Harvard University und für Neurologie an der Boston University School of Medicine. Er war allerdings nicht persönlich da. Nach ihm gibt es folgende abgrenzbaren Bereiche menschlichen Potenzials: die intrapersonale, interpersonale, körperlich-kinästhetische, sprachliche, logisch-mathematische, musikalische, räumlich-visuelle und naturalistische Intelligenz. Sie alle sollen uns gegeben sein, allerdings zu unterschiedlich ausgeprägten Teilen. So versucht jemand, der über besonders ausgeprägte körperlich-kinästhetische und räumlich-visuelle Intelligenz verfügt, den großen Eichenschrank kurzerhand anzupacken und durch den Türrahmen zu maneuvrieren. Ein logisch-mathematisch-denkender Mensch wird sich Block, Bleistift und Zollstock greifen und Schrankseiten und Türrahmen abmessen um zu erfahren, ob das Möbelstück nun hindurch passt oder nicht. Ein interpersonaler, sprachlich begabter Mensch sucht sich eine zweite Person um mit ihr über das vor ihnen liegende Problem zu quatschen und sich zu beratschlagen. Der naturalistisch Intelligente weiß: dieser Schrank ist aus Holz!
Diese verschiedenen Ausprägungen unseres Gehirns beeinflussen unser Lernverhalten maßgeblich. Damit man sein Potenzial nicht verschwendet, sollte man unbedingt für sich herausfinden, wo die eigenen Stärken und Schwächen liegen und wie man sie am besten nutzt – intrapersonal-intelligente Menschen beherrschen das In-Sich-Gehen besonders gut!
Unser Hirn lobt sich selbst
Hirnforschung und Psychologie sind also für den Unterricht von nicht unerheblicher Bedeutung. Eine interessante Methode der „Neurodidaktik“ ist zum Beispiel auch das „Generative Schreiben“. Hier produzieren Lerner auf der Basis vorgegebener Textmuster wie zum Beispiel von Songtexten oder Gedichten einen eigenen kreativen Text. Dabei werden einzelne Teile des Musters entweder ersetzt oder umformuliert. Wir probieren das im Workshop mal aus: in Einzelarbeit schreiben wir Gedichte mit dem Titel „Daheim“ nach einer Vorlage von Franz Hohler. Das Ergebnis sind wunderschöne Texte, die Aufschluss darüber geben, was Zuhause und Heimat für viele von uns bedeuten. Einige Gedichte sind lustig, andere rührend, kein einziges ist unkreativ. Der Effekt ist für den Autor sehr positiv, denn er produziert fast eigenständig einen grammatikalisch korrekten Text. Diese Art von Erfolgserlebnis wird auch „Ball-im-Tor-Effekt©“ genannt; der Lerner bekommt unmittelbar die Bestätigung dafür, dass er etwas richtig gemacht hat. So funktioniert das „hirn-interne Belohnungssystem“: motiviert ist man immer dann, wenn etwas klappt!
Im Seminar sind alle hochmotiviert, denn so vieles klappt wunderbar. Mit Jürgen E. Müller wird uns kein einziges Mal langweilig. Anhand lustiger und interessanter Spiele, Übungen und Methoden kann der Deutschunterricht noch mehr Spaß machen und vor allem noch mehr Schüler erreichen. Mit Hand und Fuß fürs Leben und um des Lernens willen lernen! Vielen herzlichen Dank an Jürgen E. Müller und alle, die teilgenommen haben - es war ein Riesenspaß!
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