„Die deutschen Männer kochen gern“
18 kenianische Deutschlehrer/innen waren 2011 mit einem Stipendium des Goethe-Instituts oder des PAD in Deutschland. In einem zweitägigen Seminar tauschten sie sich nun über ihre Eindrücke und Erfahrungen aus.


Speyer, Schwäbisch Hall und Beverungen – das sind nur einige der Orte, die die Teilnehmer/innen am Evaluationsseminar auf der Deutschlandkarte markierten. Mit einem Stipendium des Goethe-Instituts oder des PAD reisten sie im letzten Jahr 3-4 Wochen nach Deutschland, um sich sprachlich und methodisch fortzubilden und das Land, dessen Sprache sie unterrichten, hautnah zu erleben.
Die Kälte im November, der Rechtsverkehr, die Orientierung in einer Großstadt, das andere Zeitverständnis - vor allem die Lehrer/innen, die zum ersten Mal nach Deutschland reisten, dachten spätentens im Flugzeug an die vielen Herausforderungen, die sie nach der Ankunft erwarten würden.
Dass zwischen Kenia und Deutschland nicht nur 7000km liegen und es große Temperaturunterschiede gibt, sondern auch der kulturelle Hintergrund beider Länder sehr verschieden ist, spürten vor allem die Lehrer/innen, die während ihres Aufenthalts bei einer deutschen Gastfamilie wohnten.
„Wir sehen Fleisch, die Deutschen sehen Haustiere“
So waren viele von der Zuneigung und dem Aufwand überrascht, die die Deutschen ihren Haustieren entgegenbringen. Joseph Muriungi wurde gleich am ersten Tag vom Familienhund gebissen; Esther Mureke lernte viel über gesundes Hundefutter und wohnte sogar mit einem Alligator unter einem Dach. In Kenia sind Haustiere in der Regel Nutztiere wie Hühner, Ziegen und Kühe. „Wir sehen Fleisch, die Deutschen sehen Haustiere“, schlussfolgerte Eric Mbachi aus Nairobi.
Auch die Familienkonstellation in deutschen Haushalten erstaunte die kenianischen Lehrer/innen. So lebte Joseph bei einem kinderlosen Ehepaar, das aber viele Haustiere hatte; Mary Chelule lebte bei einer Patchwork-Familie, in der 2 Elternpaare mit ihren Kindern unter einem Dach leben, und auch Familien mit nur einem Kind sind für Kenianer ungewohnt. Zudem stellten die Teilnehmer/innen am Seminar erstaunt fest: Die deutschen Männer kochen gern. „Das ist zwar in Kenia nicht üblich, aber es gefällt mir“, sagte Caroline Biegon.
Nicht nur Hungersnot und Dürre
Erick Ooko ist einer von 11 Lehrer/innen, die am Hospitations-Programm des PAD teilnahmen und drei Wochen lang den Alltag an einer deutschen Schule begleitete. Erick hospitierte an einer Realschule im westfälischen Düren. In diesen 3 Wochen wohnte er bei der Familie des Schuldirektors, hospitierte im Unterricht und sprach im Geografie- und Englischunterricht mit den Schüler/innen über Kenia und seinen Schulalltag an der Nyabisawa Girls‘ High School im Westen Kenias. „Die Schüler waren sehr neugierig und stellten viele Fragen“, erzählte Erick. „Teilweise wussten die Schüler mehr über Kenia als ich, zum Beispiel wie hoch der Mount Kenya ist.“ Dass viele deutsche Schüler mit Afrika aber zunächst Bilder verbinden, die sie aus den Medien kennen, wie die Dürre und Hungersnot, konnten nahezu alle kenianischen Lehrer/innen bestätigen. Mit spannenden Erzählungen und vielen Fotos gelang es den Gastlehrern jedoch, den Schülern die Vielseitigkeit ihres Landes näherzubringen.
Alex Muthanga brachte seinen Schülern sogar das afrikanische Kinderlied „Jambo Bwana“ bei, das sie noch Tage später begeistert sangen. Und auch für Esther waren die Tage in der Schule das schönste Erlebnis: „Am Tollsten für mich war es, in einer authentischen deutschen Klasse auf Deutsch zu unterrichten.“
Lehrer als Lernberater
Vom Hospitationsprogramm an einer deutschen Schule übernahmen die kenianischen Gastlehrer/innen aber auch viele wertvolle Erfahrungen für ihren eigenen Deutschunterricht in Kenia. So beobachteten sie, dass die Schüler/innen an deutschen Schulen meistens selbständig alleine oder in Gruppen arbeiteten. Der Lehrer nimmt dabei eher die Rolle eines Lernberaters ein. „Von diesem Lehrerverständnis sind wir in Kenia noch weit entfernt. Der Lehrer wird hier als Allwissender gesehen, der den Schülern sein Wissen vorträgt“, stellt Joseph fest. Die intensive Erfahrung an einer deutschen Schule hat seine Perspektive aber dennoch geändert. Er möchte nun auch in seinem eigenen Unterricht mehr Gruppenarbeit und Rollenspiele ausprobieren.
Alex, der an einem Lehrerseminar des Goethe-Instituts teilgenommen hat, hat viele Ideen und authentisches Material für das Lernen an Stationen mitgebracht. Der größte Unterschied und damit die größte Herausforderung für den Unterricht in Kenia liegt allerdings nach wie vor in der Klassengröße: Während in Deutschland maximal 30 Schüler in einer Klasse sind, unterrichten die kenianischen Lehrer in Klassen mit mehr als 60 Schülern.
Was ihnen an Deutschland am besten gefallen hat? Da waren sich schließlich alle Stipendiaten einig: die schnellen Autos, die sauberen Straßen und die Energiegewinnung wie z.B. Solarzellen auf Hausdächern. „Sowas brauchen wir in Kenia auch, denn die Sonne scheint in Afrika immer noch viel intensiver als in Deutschland“, stellte Felix Barsigan fest.


Das Goethe-Institut Nairobi vergibt jährlich Stipendien an ausgewählte Lehrerinnen und Lehrer für Sprachkurse, Deutschlehrerkurse oder methodisch-didaktische Fortbildungen an einem Goethe-Institut in Deutschland.
Der Pädagogische Austauschdienst vergibt im Rahmen von PASCH Stipendien an ausländische Lehrer/innen für ein Hospitationsprogramm an einer Schule in Deutschland.
Die Kälte im November, der Rechtsverkehr, die Orientierung in einer Großstadt, das andere Zeitverständnis - vor allem die Lehrer/innen, die zum ersten Mal nach Deutschland reisten, dachten spätentens im Flugzeug an die vielen Herausforderungen, die sie nach der Ankunft erwarten würden.
Dass zwischen Kenia und Deutschland nicht nur 7000km liegen und es große Temperaturunterschiede gibt, sondern auch der kulturelle Hintergrund beider Länder sehr verschieden ist, spürten vor allem die Lehrer/innen, die während ihres Aufenthalts bei einer deutschen Gastfamilie wohnten.
„Wir sehen Fleisch, die Deutschen sehen Haustiere“
So waren viele von der Zuneigung und dem Aufwand überrascht, die die Deutschen ihren Haustieren entgegenbringen. Joseph Muriungi wurde gleich am ersten Tag vom Familienhund gebissen; Esther Mureke lernte viel über gesundes Hundefutter und wohnte sogar mit einem Alligator unter einem Dach. In Kenia sind Haustiere in der Regel Nutztiere wie Hühner, Ziegen und Kühe. „Wir sehen Fleisch, die Deutschen sehen Haustiere“, schlussfolgerte Eric Mbachi aus Nairobi.
Auch die Familienkonstellation in deutschen Haushalten erstaunte die kenianischen Lehrer/innen. So lebte Joseph bei einem kinderlosen Ehepaar, das aber viele Haustiere hatte; Mary Chelule lebte bei einer Patchwork-Familie, in der 2 Elternpaare mit ihren Kindern unter einem Dach leben, und auch Familien mit nur einem Kind sind für Kenianer ungewohnt. Zudem stellten die Teilnehmer/innen am Seminar erstaunt fest: Die deutschen Männer kochen gern. „Das ist zwar in Kenia nicht üblich, aber es gefällt mir“, sagte Caroline Biegon.
Nicht nur Hungersnot und Dürre
Erick Ooko ist einer von 11 Lehrer/innen, die am Hospitations-Programm des PAD teilnahmen und drei Wochen lang den Alltag an einer deutschen Schule begleitete. Erick hospitierte an einer Realschule im westfälischen Düren. In diesen 3 Wochen wohnte er bei der Familie des Schuldirektors, hospitierte im Unterricht und sprach im Geografie- und Englischunterricht mit den Schüler/innen über Kenia und seinen Schulalltag an der Nyabisawa Girls‘ High School im Westen Kenias. „Die Schüler waren sehr neugierig und stellten viele Fragen“, erzählte Erick. „Teilweise wussten die Schüler mehr über Kenia als ich, zum Beispiel wie hoch der Mount Kenya ist.“ Dass viele deutsche Schüler mit Afrika aber zunächst Bilder verbinden, die sie aus den Medien kennen, wie die Dürre und Hungersnot, konnten nahezu alle kenianischen Lehrer/innen bestätigen. Mit spannenden Erzählungen und vielen Fotos gelang es den Gastlehrern jedoch, den Schülern die Vielseitigkeit ihres Landes näherzubringen.
Alex Muthanga brachte seinen Schülern sogar das afrikanische Kinderlied „Jambo Bwana“ bei, das sie noch Tage später begeistert sangen. Und auch für Esther waren die Tage in der Schule das schönste Erlebnis: „Am Tollsten für mich war es, in einer authentischen deutschen Klasse auf Deutsch zu unterrichten.“
Lehrer als Lernberater
Vom Hospitationsprogramm an einer deutschen Schule übernahmen die kenianischen Gastlehrer/innen aber auch viele wertvolle Erfahrungen für ihren eigenen Deutschunterricht in Kenia. So beobachteten sie, dass die Schüler/innen an deutschen Schulen meistens selbständig alleine oder in Gruppen arbeiteten. Der Lehrer nimmt dabei eher die Rolle eines Lernberaters ein. „Von diesem Lehrerverständnis sind wir in Kenia noch weit entfernt. Der Lehrer wird hier als Allwissender gesehen, der den Schülern sein Wissen vorträgt“, stellt Joseph fest. Die intensive Erfahrung an einer deutschen Schule hat seine Perspektive aber dennoch geändert. Er möchte nun auch in seinem eigenen Unterricht mehr Gruppenarbeit und Rollenspiele ausprobieren.
Alex, der an einem Lehrerseminar des Goethe-Instituts teilgenommen hat, hat viele Ideen und authentisches Material für das Lernen an Stationen mitgebracht. Der größte Unterschied und damit die größte Herausforderung für den Unterricht in Kenia liegt allerdings nach wie vor in der Klassengröße: Während in Deutschland maximal 30 Schüler in einer Klasse sind, unterrichten die kenianischen Lehrer in Klassen mit mehr als 60 Schülern.
Was ihnen an Deutschland am besten gefallen hat? Da waren sich schließlich alle Stipendiaten einig: die schnellen Autos, die sauberen Straßen und die Energiegewinnung wie z.B. Solarzellen auf Hausdächern. „Sowas brauchen wir in Kenia auch, denn die Sonne scheint in Afrika immer noch viel intensiver als in Deutschland“, stellte Felix Barsigan fest.
Das Goethe-Institut Nairobi vergibt jährlich Stipendien an ausgewählte Lehrerinnen und Lehrer für Sprachkurse, Deutschlehrerkurse oder methodisch-didaktische Fortbildungen an einem Goethe-Institut in Deutschland.
Der Pädagogische Austauschdienst vergibt im Rahmen von PASCH Stipendien an ausländische Lehrer/innen für ein Hospitationsprogramm an einer Schule in Deutschland.
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