Bericht über die Reise nach Deutschland
In diesen Winterferien hat unsere Schule eine Partnerschaft mit dem Ferdinand-Porsche-Gymnasium in Stuttgart geschlossen. So konnten sechs Schüler unter der Begleitung unserer Deutschlehrerin Zhang Yi und Frau Liao Lin von der Schuljugendkommission nach Deutschland gehen und an einem 26-tägigen Austauschprogramm teilnehmen. Alles, was wir in Deutschland gesehen und gehört haben, haben wir bewundert. Man kann sagen, alles in Deutschland hat uns sehr bewegt.
Vielleicht hat Deutschland nicht die saubersten Städte der Welt. Aber wir haben sehr saubere Straßen gesehen, mit ordentlich aufgereihten Müllcontainern, in denen der Müll streng sortiert wird. Ich war von der Einstellung der Deutschen zur Mülltrennung schockiert: Eine deutsche Freundin hat zu Hause zwei große Mülleimer mit getrennten Fächern. Jedes Fach ist für unterschiedliche Müllsorten. Als ich bei ihr ankam, hat sie mir gleich gesagt, dass das linke Fach für Recycling-Müll ist und das rechte für nicht-recycelbaren Müll. Das linke Fach ist deutlich größer als das rechte. Wenn ich versehentlich Müll in das falsche Fach geworfen habe, hat sie ihn wieder raus genommen und in das richtige Fach geworfen.Einmal habe ich mit ihr zusammen Zeitungen ausgetragen. Für mich war es wirklich eine unvergessliche Erfahrung. Sie, ein fünfzehnjähriges Mädchen, stand vor dem Müllcontainer, nachdem wir die Zeitungen verteilt hatten und warf Plastik, Verpackungspapier und Litzen in verschiedene Behälter. Ich kann mich gut erinnern, wie ich sie gefragt habe, warum Tüten und Plastiklitze in verschiedene Fächer geworfen wurden. Sie antwortete mir sehr verwirrt: Weil das doch zwei unterschiedliche Plastiksorten sind! Sie sagte das in einem Ton, als ob so etwas allen Menschen bekannt sein sollte. Sie ist erst 15 Jahre alt, doch die Mülltrennung ist ihr schon so vertraut. Ich glaube, den Deutschen ist das sehr wichtig. Man soll damit nicht leichtsinnig sein. Hier geht der Umweltschutz jeden an und jeder soll sich umweltbewusst verhalten. Für die Deutschen zerstört leichtsinniges Wegwerfen von Müll ihre Umwelt. Sie schätzen die Natur. Das zeigt auch Respekt vor sich selbst.
Vielleicht ist die deutsche Nation nicht die kultivierteste Nation der Welt. Aber jeden Tag haben wir gesehen, wie Menschen ordentlich in den Bus ein- und aussteigen, ohne jede Anweisung des Busfahrers. Es ist selbstverständlich, seinen Sitz freiwillig Älteren oder Frauen mit Kindern anzubieten. Hier bremsen die Autos, statt zu hupen, wenn Fußgänger über die Straße gehen. Das zeigt auch den herzlichen Respekt für die Mitmenschen in ihrem Umfeld.
Einmal haben wir haben ein Konzert besucht, das vom Porsche-Gymnasium veranstaltet wurde. Alle Musiker waren Schüler dieser Schule. Weil Musik dort als reines Hobby angesehen wird, bekommen die Schüler keinen sehr professionellen Unterricht. Darum war das Spielniveau nicht besonders hoch. Aber als wir zusammen mit den Deutschen die Musik genossen, spürten wir eine Art von Respekt in dem Raum, wie wir das noch nie gefühlt hatten. Wie das Spielniveau der Spieler auf der Bühne auch war, selbst wenn die Melodie unterbrochen und an manchen Stellen nur schwer zu erkennen war, so hat doch niemand während des Konzerts etwas gesprochen, es hat kein Handy geklingelt und niemand ist aufgestanden. Wenn der Musiker zum Ende kam, klatschte das Publikum Beifall. Und dieser Beifall war gar nicht ironisch gemeint. Es war auch keine reine Höflichkeit. Sondern es war ein Dankeschön, aus den Herzen der Zuschauer und ein Lob für die persönliche Leistung. In ihren Herzen ist das der mindeste Respekt den Menschen gegenüber.
Respekt, Glaubwürdigkeit, Umweltschutz, Bewusstsein für die Mitmenschen: alle diese Eigenschaften haben sie uns nicht mit Absicht gezeigt. Das passierte alles ganz natürlich. Diese Eigenschaften sind in ihrem Geist, in ihren Herzen und zeigen sich in alltäglichen Details. Und sie tun so, als ob sie das alles schon von Geburt an erlernt und sich daran gewöhnt haben. Diese Eigenschaften haben mich tief bewegt und sehr beeindruckt. Ich werde sie für immer in meinem Herzen behalten. Man kann sagen, ihr Verhalten hat mein Bild von den Deutschen geprägt.
Dann habe ich über mich selbst nachgedacht. Wie verhalten wir uns? Ich glaube, es ist klar, was ich meine. Die Olympischen Spiele werden 2008 in Peking stattfinden. Dann kommen Sportler und Touristen aus aller Welt zu uns nach China. Welche Eindrücke werden und sollen wir vermitteln? Dort werden wir nicht nur uns selbst, nicht nur unsere Schule oder Peking repräsentieren, sondern das ganze China. Welche Eindrücke soll China seinen Gästen mitgeben? Dieses Austauschprogramm hat mir gezeigt, dass Ausländer uns nicht so gut verstehen, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wurde sogar gefragt, ob man in China zum Frühstück Brot isst und Milch trinkt und ob wir regelmäßig Zeitungen lesen. Als sie eine Skizze von einer Zwei-Zimmer-Wohnung sahen, fanden sie es schwer zu glauben, dass es in China auch so schöne Wohnungen gibt. Sie glaubten erst nicht, dass eine chinesische Familie viele elektrische Haushaltsgeräte haben kann. Sie wissen sehr wenig über China. Das bedeutet aber auch für uns, dass wir eine sehr große Verantwortung haben. Unser Verhalten wird ihre Eindrücke von China prägen. Alles das, was wir machen, repräsentiert China, ist das Bild von China.
Ich habe sehr viel auf der Reise nach Deutschland gelernt. Nicht nur, weil ich viele deutsche Freunde kennen gelernt habe, oder weil ich viel über Landeskunde und Sitten von Deutschland gesehen habe. Auch nicht nur, weil ich viel Neues zum Essen ausprobiert habe. Ich habe als Wichtigstes etwas über die Einstellung zum eigenen Handeln gelernt. Sie haben zu jeder Zeit und bei jeder Sache gezeigt, dass man sich Mühe geben und sein Bestes geben muss, wenn man sich für eine Sache entschieden hat. Ganz gleich, wie das Ergebnis sein wird. Dann wird man nichts bereuen, selbst wenn man am Ende nicht gewonnen hat. Früher hatte ich immer Angst davor, trotz aller Anstrengungen einen Misserfolg zu erleiden. Ich konnte das nicht aushalten. Darum konnte ich mich auch nicht völlig auf meine Aufgabe konzentrieren. Und am Ende habe ich die Schuld am Scheitern auf meine unzureichenden Bemühungen geschoben. Aber jetzt weiß ich, dass dieser Gedanke falsch ist. Und er ist sogar schändlich. Es ist feige, auszuweichen. Der Respekt vor einer Aufgabe ist wie der Respekt vor sich selbst.
Ich danke meiner Schule, dass sie mir diese wertvolle Chance gegeben hat. Die Reise nach Deutschland wird ewig in meinem Gedächtnis bleiben.
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