Am 20. Januar habe ich meine Schule verlassen und bin zum Beijing International Flughafen gefahren. Von dort bin ich nach Frankfurt geflogen. Nach zehnstündigem Flug sind wir in Deutschland angekommen. Der erste Eindruck in dem Flugzeug war die Ruhe. Im Flughafen sprach niemand sehr laut. Und unsere Stimmen wurden wegen der Umgebung auch leiser.
Vom Frankfurter Flughafen kann man direkt mit dem ICE nach Stuttgart fahren. Am Bahnsteig warteten schon unsere Gastfamilien. Meine ist eine Familie mit vier Personen. Der Schüler, seine Eltern und sein Bruder waren alle sehr freundlich. Sie haben auch vieles für mich vorbereitet. Ihre Wohnung ist nicht groß, daher wohnte ich mit ihm zusammen in einem Zimmer im Hochbett. Obwohl die Wohnung klein ist, ist es sehr gemütlich. Das Licht, einige Pflanzen, und was noch wichtiger ist, die nette Familie. Das alles ließ mich sehr warm fühlen, wie zu Hause.

Am zweiten und dritten Tag haben wir die Innenstadt von Stuttgart besichtigt. Was mich sehr beeindruckt hat, war der Verkehr. Während der ganzen Besichtigung (auch auf der späteren Reise) war der Bus unser Hauptverkehrsmittel. Mit dem Bus konnten wir jeden Ort erreichen. Außerdem sind alle Haltestellen hier offen, es gibt nur einen Fahrkartenautomaten und keinen Kontrolleur. Das Fahrkartenkaufen verlangt also Selbstdisziplin.
Die Straßen sind sehr sauber, nur selten sieht man achtlos weggeworfenen Müll und überall geklebte Anzeigen. Ich denke, das hat auch mit bestimmten Maßnahmen der Regierung zu tun, zum Beispiel bieten die Supermärkte hier keine kostenlosen Plastiktüten an. Gebrauchte Getränkeflaschen werden gegen Pfand zurück gebracht.
Während des zweiten Weltkriegs wurden die meisten deutschen Städte sehr schlimm zerstört. Große Teile der Stadt Stuttgart sind neu gebaut. Aber Architektur und Gebäude sind hier gar nicht unharmonisch. Moderne und alte Architektur haben sich sehr gut gemischt.
Am 23. Januar hatte ich meine ersten Unterrichtsstunden im Ferdinand-Porsche-Gymnasium. Dieses Gymnasium hat nur ein paar Hundert Schüler. Die Fläche des Campus kann mit unserer Schule auch nicht verglichen werden. Aber es ist hier in dieser Stadt immerhin eine große Schule. Sie haben eine Empfangszeremonie für uns veranstaltet und uns sechs Schüler in ihren Unterricht aufgenommen. Wir konnten uns mit ihnen austauschen und ihre Fragen über China beantworten. Mich hat überrascht, dass sie sehr wenig von China wissen. Im Vergleich dazu wissen wir viel mehr über Deutschland.

Am 25. Januar begann ich mit meinen Freunden zusammen den Unterricht zu besuchen. Es gibt große Unterschiede zwischen dem Unterricht in China und hier in Deutschland. Hier in Deutschland hat die Klasse nur rund 20 Schüler. Im Unterricht sitzen alle in einem Kreis. Der ganze Unterricht ist sehr lebendig und die Diskussionen im Kurs sind auch sehr heftig. Nach der 10. Klasse kann man nach ihrem eigenen Interesse Fächer oder Fachrichtungen wählen. Nach dem Unterricht bekommen die Schüler sehr wenige Hausaufgaben, durchschnittlich braucht man nur eine halbe oder eine Stunde für die Hausaufgabe. Oft bekommt man auch Aufsätze, Denkanstöße oder ganz wenige Übungen aufgegeben.
Weil die Schüler so wenige Hausaufgaben haben, bleibt ihnen viel Freizeit. Darum können sie sich gut in ihren Hobbys entwickeln. Zum Beispiel mein Freund hier, er hat von Montag bis Freitag unterschiedliche Beschäftigungen, wie Wasserball, Chinesischen Kung-Fu, Proben mit seiner Rockband, usw. Sie verbringen wirklich eine vielfältige Freizeit.
Han Zishi (10. Klasse)